Unser Erfolgsrezept gegen den Jagdtrieb

Nicht, dass bei uns alles rund liefe! Oh nein. Besonders meine Konsequenz lässt zu wünschen übrig.

 

Und so kam es, dass Napoli im Dezember 2017 in Österreich ein Reh angefallen hat. Ich habe den Hergang beobachtet und gehört, wie das Reh schrie. Entsetzlich! Ich war völlig fassungslos, dass mein Schmusetier zu einer solchen Gewalttat fähig war. Das Reh konnte mehrmals ein paar Meter fliehen, bevor Napoli erneut seine Zähne in die hintere Flanke schlug.

 

Kurzum:  Polizei verständigt, Reh geschossen, 100 Euro Strafe.

Das ist die eine Sache, die man leicht abhaken kann. Welche Konsequenzen aber ergeben sich daraus?


Ein kontrollierbarer Jagdtrieb ist Grundvoraussetzung für das freie Laufen am Rad. Soviel war klar. Also musste ein Plan her, der möglichst bis zum Frühjahr fruchtete. Denn Radfahren im Gebirge mit Leine? Undenkbar.

 

Hier will ich Euch berichten, wie wir den Jagdtrieb in den Griff bekommen haben.

 

Italienischer Streuner

Man sollte zunächst wissen, dass Napoli zwar ein sehr selbstständiger Hund ist, aber auch ein kleiner Schisser. Geschätzte 8 Monate brachte er auf der Straße der Großstadt Neapel zu. Die Freiheitsberaubung, die Leine und Wohnungsleben ihm brachten, fand er zunächst ziemlich blöd. Vielleicht deshalb ließ ich ihn in der Natur sehr bald leinenfrei laufen. Das Zurückkommen klappte ja auch eigentlich ganz zufriedenstellend, fand ich.

 

Do's und Dont's für eine gewisse Zeit

Nach dem Vorfall begann ich, mich mit dem Thema "Jagen" zu beschäftigen und alsbald hatte ich einige Punkte erkannt, die umgehend geändert wurden:

  • gemeinsame Spaziergänge mit befreundeten Hundehaltern wurden eingestellt, weil die Vierbeiner unsere Unaufmerksamkeit stets zu Jagdausflügen missbrauchten; statt dessen nutze ich das Gassi gehen seither für gemeinsames Spiel
  • Napoli ist von Beginn an gern abseits des Weges gestromert; das war ab jetzt tabu
  • in Gebieten mit offenbar größerem Wildvorkommen kam er zunächst an die Leine
  • das "Nein" wurde konsequent durchgesetzt, was auch mal durch einen fliegenden Wanderstock bekräftigt wurde

An dieser Stelle komme ich darauf zurück, dass Napoli ein kleiner Schisser ist. Nicht zuletzt diesem Umstand verdanke ich, dass unser Training überhaupt und so schnell Erfolg hatte. Denn ein Wanderstock, der zur richtigen Zeit in seine Absprungrichtung fliegt, kann ihn gehörig beeindrucken. 

 

Ein gut befolgtes Nein muss natürlich belohnt werden. Und damit wären wir beim nächsten entscheidenden Punkt: 

  • die Morgenration Futter gab es nur noch unterwegs als Belohnung
Mühsames Training

Jede Erziehungsmaßnahme ist bekanntlich mit viel Arbeit verbunden. Erschwerend kam für uns hinzu, dass es Winter war und ich auf Schneeschuh- oder Skitour mit Hund nicht verzichten wollte. Für beides braucht man Stöcke, man trägt Handschuhe und kommt ohnehin wie ein Michelin Männchen daher. Diese Umstände ließen mich fast verzweifeln und es dauerte, bis ich mich zurecht gerüttelt und akzeptiert hatte, dass es nun mal alles etwas unbequem und zeitraubend war.

 

Um die Hände für die Stöcke frei zu haben, verwendete ich eine Flexibandleine deren Haltegriff ich in den Rucksackgurt einhängte. Auf diese Weise war das Leinenchaos auf ein Mindestmaß reduziert.

In einer Bauchtasche trug ich eine gesamte Ration Futter, meist gekochtes Puten- oder Hähnchengeschnetzeltes. Je nach Witterung konnte ich fingerlose Handschuhe verwenden, die eine Faustkappe haben. Damit lässt sich ständiges an- und ausziehen vermeiden. Aber auch durch diese Hölle musste ich gehen, denn die besagten Handschuhe wärmen nicht besonders.

Kurzum: wir kamen nur meterweise voran, bergauf wie bergab.

Flexibandleine,

Handschuhe mit Faustkappe

und Futterbeutel -

ich sah aus, behangen wie ein Weihnachtsbaum und fühlte mich ebenso unbeweglich.

Der Mühen Lohn

Etwa 4 Monate haben wir konsequent trainiert und als die Radlsaison eröffnet werden konnte, war Napoli für mich steuerbar. Es ist nicht so, dass er keinen Jagdinstinkt mehr hätte. Aber wenn ich ausreichend aufmerksam bin, bemerke ich Gefahrensituationen rechtzeitig und kann ihn leicht korrigieren. 

Nur, wenn er zu weit entfernt ist, habe ich keine Chance.  

 

Optimierungsbedarf hat noch die Lautstärke meines Abbruchsignals. Weil ich Napoli ständig volltexte, müssen meine Befehle mehrere Dezibel lauter klingen, damit sie erhört werden. Und da wären wir wieder bei der Konsequenz: es will mir einfach nicht gelingen, im Alltag weniger auf meinen Hund einzureden.

 

Auf dieser Wanderung gab es Scharen von Gämsen in unserer Nähe. Napoli war entsprechend angespannt, doch musste ich ihn nicht anleinen.

Als sich nur wenige Meter von uns entfernt ein Murmeltier bewegte, war er der erste, der es bemerkte.

Seht selbst, wie gut er abrufbar war.


Fahrradhalterung

Wer einen Hund mit großem Jagdinstinkt am Rad mitnehmen möchte, kann die Nutzung einer Fahrradhalterung in Erwägung ziehen. Eine Bloggerin gibt hierzu gute Tipps:

 

https://radundhund.de/fahrradhalterung-hund-sicher-und-einfach-am-fahrrad

 

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